{"id":40,"date":"2020-11-18T00:09:00","date_gmt":"2020-11-17T23:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/walddrachen.de\/?page_id=40"},"modified":"2022-03-28T09:08:54","modified_gmt":"2022-03-28T07:08:54","slug":"grundsaetze","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/walddrachen.de\/index.php\/grundsaetze\/","title":{"rendered":"Grunds\u00e4tze"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zusammenleben<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir leben als Gruppe (derzeit 6 Erwachsene und 4 Kinder; wollen aber auf 16-17 Personen anwachsen) zusammen, wobei die Kinder  einen selbstverst\u00e4ndlichen Teil unserer Gemeinschaft darstellen. Das  meint, dass die Bed\u00fcrfnisse von Kindern in unserer Planung und  Organisation mitgedacht  werden, z.B. durch eine kinderfreundliche Infrastruktur (kindersichere  Bereiche, Spielfl\u00e4chen, Garten mit Spielger\u00e4ten), durch Integration von  Kindern in verschiedene allt\u00e4gliche Projektaufgaben (soweit m\u00f6glich und  sinnvoll) und kindgerechte Beteiligung an Entscheidungsstrukturen. Dazu wollen wir regelm\u00e4\u00dfig gemeinsame Aktivit\u00e4ten mit den Kindern machen, wie Ausfl\u00fcge oder Spielkreise.<\/p>\n\n\n\n<p>Unabh\u00e4ngig  davon, ob sie selbst Kinder ins Projekt bringen oder nicht, sollen  dabei alle erwachsenen Menschen des Projekts Beziehungen zu ihnen  aufbauen und Verantwortung f\u00fcr die Kinder \u00fcbernehmen.&nbsp;Das hei\u00dft f\u00fcr uns nicht, dass die Beziehungen zu den prim\u00e4ren Bezugspersonen an Relevanz verlieren. Zus\u00e4tzlich sind aber alle Erwachsenen f\u00fcr die Kinder ansprechbar, wenn diese Hilfe  bei etwas wollen oder brauchen (z.B. Brot machen, zum Klo gehen usw.).  Gleichzeitig achten wir darauf, dass die Grenzen aller Beteiligten  (jeden Alters) respektiert werden. Hierbei  soll eine direkte Kommunikation zwischen allen Erwachsenen und allen  Kindern stattfinden (was nat\u00fcrlich eine Eingew\u00f6hnung und den Aufbau von  Vertrauen, und ggf. einen Lernprozess voraussetzt). Die  Kinder sollen sich au\u00dferdem (soweit sie wollen und schon k\u00f6nnen) frei  und ohne st\u00e4ndige Begleitung von Bezugspersonen auf der  Gemeinschaftsfl\u00e4che bewegen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir  respektieren und ber\u00fccksichtigen die unterschiedlichen Bed\u00fcrfnisse  aller Bewohner*innen. Hierbei geht es uns auch um eine kritische  Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen, die Kinder  grunds\u00e4tzlich weniger ernst nehmen oder ihnen weniger Rechte zugestehen (Adultismus).&nbsp;Insbesondere  von Erwachsenen w\u00fcnschen wir uns dabei eine gro\u00dfe Eigenverantwortung  f\u00fcr das Formulieren von eigenen Bed\u00fcrfnissen: Andere (nicht nur Kinder)  k\u00f6nnen fremde Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche nicht erahnen. Zugleich f\u00e4llt es  gerade Kindern u.U. schwer eigene Bed\u00fcrfnisse zu erkennen, zu benennen  oder sofort auf die Bed\u00fcrfnisse Anderer einzugehen. Hier braucht es  gegenseitige R\u00fccksichtnahme, Engagement bei der L\u00f6sungsfindung und auch  eine gewisse Konflikttoleranz, weil manche Probleme nicht sofort gel\u00f6st  werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgaben,  wie z.B. Verwaltung, Putzen oder Kinderbetreuung erledigen wir  gemeinsam und solidarisch, wobei wir einmal t\u00e4glich f\u00fcr alle kochen.  Dabei ber\u00fccksichtigen wir unterschiedliche Ern\u00e4hrungsgewohnheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir  positionieren uns klar gegen Gewalt in unserem Projekt. Wir verstehen  dabei Gewalt sowohl physisch wie auch psychisch (u.a. Drohungen,  Abwertungen, Gaslighting und Beleidigungen). Wir greifen ein, wenn wir  Gewalt wahrnehmen. Zuerst suchen wir dabei den Austausch und versuchen  f\u00fcr alle sichere R\u00e4ume zum Austausch zu schaffen. Im  Zusammenleben mit Kindern wirkt jede Toleranz normalisierend und das  Aushalten von Gewalt im privaten Lebensumfeld ist auch f\u00fcr diejenigen  verletzend, die dieser nicht direkt ausgesetzt sind. Daher wollen wir  Gewalt auch dann thematisieren, wenn das (prim\u00e4re) Opfer, diese nicht so  empfindet.&nbsp;Gerade  im Zusammenleben mit Kindern ergeben sich dabei immer wieder  Herausforderungen, z.B. durch die Gewalt, die von Kindern gegen andere  ausge\u00fcbt wird und die Frage nach m\u00f6glichst angemessenen und zielf\u00fchrenden Reaktionen hierauf.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsfindung<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir  halten es f\u00fcr notwendig, dass alle Projektmitglieder sich aktiv an den  Entscheidungsprozessen beteiligen. Nur so k\u00f6nnen wir uns alle gegenseitig  mitbekommen und wirklich gemeinsam L\u00f6sungen f\u00fcr Probleme finden.&nbsp;Im Alltag nutzen wir f\u00fcr die Entscheidungsfindung verschiedene Methoden: Das Orga-Plenum f\u00fcr allt\u00e4gliche Entscheidungen und die Organisation und Umsetzung von Aufgaben. Im Sozialplenum bearbeiten wir emotionale Themen und insbesondere Konflikte. Beim \u201eInhalte\u201c-Plenum setzen wir uns mit verschiedenen Themen auseinander, z.B. Umgang mit Kindern in Konfliktf\u00e4llen.<\/p>\n\n\n\n<p>Entscheidungen werden bei uns grunds\u00e4tzlich im Konsens getroffen und haben Bestand, bis gemeinsam abweichende Entscheidungen getroffen werden.  Dabei ist es wichtig, dass sich alle selbst mit ihren Gef\u00fchlen und  Positionen ernst nehmen und diese offen vertreten und wir zugleich offen  sind f\u00fcr die Positionen aller anderen, sodass wir wirklich f\u00fcr alle  gute L\u00f6sungen finden k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Politisches Grundverst\u00e4ndnis<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir  wollen ein gleichberechtigtes und hierarchiefreies Zusammenleben, ohne  die Reproduktion von Diskriminierungen (Sexismus, Rassismus, Heteronormativit\u00e4t, Able-ismus, Adultismus uvm.). Wir bekennen uns au\u00dferdem zum  Antifaschismus.\u00a0Hierbei  ist uns bewusst, dass Diskriminierungsfreiheit nicht durch eine  einfache Erkl\u00e4rung erreicht werden kann, sondern wir alle problematische  Muster in uns tragen und diese mitbringen. Wir sind alle nicht perfekt  und halten daher einen st\u00e4ndigen Reflexions- und Lernprozess zu diesen Themen f\u00fcr notwendig.\u00a0Wir bem\u00fchen uns, Wissenshierarchien abzubauen, halten aber auch Spezialisierungen f\u00fcr einzelne Projektaufgaben f\u00fcr sinnvoll.<\/p>\n\n\n\n<p>Uns verbindet eine ablehnende Haltung zum Kapitalismus und der durch ihn  vermittelten globalen Ungerechtigkeit und zerst\u00f6rerischen Konsequenzen.  Das soll sich auch in unserem allt\u00e4glichen Konsum ausdr\u00fccken. Wir  wollen \u00f6kologisch nachhaltig wirtschaften und an einer  gemeinschaftlichen solidarischen \u00d6konomie und einer gemeinsamen  Infrastruktur (Bibliothek, Werkstatt, Transportmittel\u2026) arbeiten und  Ideen von teilweiser Selbstversorgung verwirklichen (z.B. Gem\u00fcsegarten,  Solarthermie).<\/p>\n\n\n\n<p>Diese politischen Grunds\u00e4tze sind uns dabei auch im Hinblick auf unsere Kinder wichtig, denen wir einen  diskriminierungsfreien und wertsch\u00e4tzenden Umgang miteinander und mit  der Umwelt vorleben m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne achten wir bspw. auch darauf, unseren Kindern Spielzeug anzubieten, das unsere Werte vermittelt. So w\u00e4chst unsere B\u00fcchersammlung mit diversen Familien- und Geschlechterbildern und mit empowernden und \u00e4u\u00dferst unterschiedlichen Identifikationsfiguren stetig. Gleichzeitig diskutieren wir als Gruppe aber auch problematische Inhalte und sortieren ggf. aus \u2013 wobei wir aber nat\u00fcrlich auch auf die Vorlieben von Kindern R\u00fccksicht nehmen und wobei uns bewusst ist, dass wir innerhalb der aktuellen Gesellschaft keine Umgebung schaffen k\u00f6nnen, in der diese Diskriminierungsmechanismen nicht vorkommen. Zudem erscheint es uns, je nach Alter der Kinder, auch sinnvoller verschiedene Diskriminierungsformen in B\u00fcchern o.\u00e4. zu thematisieren, anstatt zu versuchen eine (dann immer k\u00fcnstliche und niemals vollst\u00e4ndige) Abwesenheit dieser Mechanismen zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Teil davon ist auch, dass wir als  Einzelpersonen und als Projekt nach au\u00dfen wirken wollen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Unser Spielplatz<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir  wohnen seit Sommer 2019 auf einem Dreiseitenhof in R\u00fcdnitz. Das liegt  zwischen Bernau und Biesenthal, etwas n\u00f6rdlich von Berlin. Wir sind f\u00fcr  das Berliner Umland sehr gut an den \u00d6PNV angebunden: Es gibt einen  st\u00fcndlichen Bus nach Bernau (S-Bahn und RE), und eine st\u00fcndliche  RE-Verbindung nach Berlin Ostkreuz. In etwa einer Stunde kommt man von  der Haust\u00fcr nach Berlin Mitte. R\u00fcdnitz ist au\u00dferdem noch im Berliner  C-Bereich.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser  Garten bietet Platz f\u00fcr Gem\u00fcseanbau und einen Spielbereich f\u00fcr Kinder,  mit Schaukeln, einem gro\u00dfen Sandkasten, Trampolin und Rutsche. Au\u00dferdem  gibt es einen gro\u00dfen gepflasterten Hof, auf dem die verschiedensten  Kinderfahrzeuge ausprobiert werden k\u00f6nnen.&nbsp;Wir  planen perspektivisch die Haltung von H\u00fchnern f\u00fcr die Selbstversorgung  mit Eiern, wobei uns ein respektvoller Umgang mit allen Lebewesen  wichtig ist.&nbsp;Zum  Wald ist es nicht weit: das Biesenthaler Becken mit seinen zahlreichen Wanderwegen beginnt quasi vor der Haust\u00fcr und zum n\u00e4chsten Badesee sind  es ca. 2 km.<\/p>\n\n\n\n<p>Es  gibt bei uns Privatr\u00e4ume, aber keine abgeschlossenen Wohneinheiten f\u00fcr  Einzelpersonen oder Familien. Als Gemeinschaftsfl\u00e4chen gibt es  insbesondere ein Spielzimmer f\u00fcr alle Kinder und ein Wohnzimmer zur  gegenseitigen Begegnung.&nbsp;&nbsp;Juristisch  sind wir nach dem Mietsh\u00e4usersyndikatsmodell organisiert: Das Haus  geh\u00f6rt der Walddrachen GmbH, die wiederum einem Verein geh\u00f6rt, dem alle  Bewohner*innen angeh\u00f6ren. Das Haus haben wir \u00fcber einen gr\u00f6\u00dferen Kredit  finanziert, sowie \u00fcber Direktkredite, die bei uns das Eigenkapital  ersetzen. Wir finanzieren uns durch die Mietzahlungen der  Bewohner*innen.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammenleben Wir leben als Gruppe (derzeit 6 Erwachsene und 4 Kinder; wollen aber auf 16-17 Personen anwachsen) zusammen, wobei die Kinder einen selbstverst\u00e4ndlichen Teil unserer Gemeinschaft darstellen. 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